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Gesundheit

Vegan-vegetarische Ernährung bei Kindern und Jugendlichen

Mi 13.03.2019

Bildquelle: shutterstock.com / aboikis

Eine ausgewogene und vollwertige vegane oder vegetarische Ernährung kann schon im Kindes- und Jugendalter den Grundstein für eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise legen und das Risiko für ernährungsmittelbedingte Krankheiten senken.

Vegan-vegetarische Ernährung wirkt ernährungsmitbedingten Erkrankungen entgegen

Das individuelle Ernährungsverhalten von Erwachsenen wird maßgeblich durch die Essgewohnheiten in der frühen Kindheit geprägt. Eine ausgewogene und vollwertige vegane oder vegetarische Kost kann schon im Kindes- und Jugendalter den Grundstein für eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise legen, die auch später im Leben beibehalten wird.

Zudem entwickeln sich die meisten ernährungsmitbedingten Erkrankungen über Jahrzehnte hinweg. So weisen in Studien bereits 30 % der 8- bis 11-Jährigen und 70 % der 12- bis 15-Jährigen Veränderungen der Blutgefäße auf, die die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.1Stary HC (2000): Lipid and macrophage accumulations in arteries of children and the development of atherosclerosis. Am J Clin Nutr 72 (5 Suppl), 1297S-1306S Eine vegan-vegetarische Ernährung kann das spätere Risiko für Übergewicht und andere ernährungsmitbedingte Krankheiten senken und außerdem dem erhöhten Nährstoffbedarf in diesen Lebensphasen gerecht werden.2Sabaté J, Wien M (2010): Vegetarian diets and childhood obesity prevention. Am J Clin Nutr 91 (5), 1525S-1529S 3Amit M (2010): Vegetarian diets in children and adolescents. Paediatr Child Health 15 (5), 303-8

Im Vergleich zu vegan-vegetarischen Erwachsenen gibt es bisher wenige Studien, die vegan-vegetarisch lebende Kinder und Jugendliche untersucht haben. Dennoch lassen sich daraus wichtige Informationen ableiten.

Vegan-vegetarische Ernährung bei Schulkindern (6–12 Jahre)

Der Nährstoffbedarf von Schulkindern ist dem von Erwachsenen bereits stark angenähert. Mit einer abwechslungsreichen vegan-vegetarischen Ernährung ist in dieser Lebensphase eine gute Nährstoffversorgung möglich. In einer Studie mit 7- bis 11-jährigen Schulkindern wurden die Zufuhrempfehlungen für die meisten Vitamine und Mineralstoffe von deutlich mehr vegan-vegetarisch lebenden als mischköstlich lebenden Kindern erreicht.4Nathan I, Hackett AF, Kirby S (1996): The dietary intake of a group of vegetarian children aged 7-11 years compared with matches omnivores. Br J Nutr 75 (4), 533-44

Eisen und Zink – wichtig für Schulkinder

Bei der Versorgung mit Eisen und Zink schnitten die vegan-vegetarisch ernährten Kinder jedoch etwas schlechter ab. Ein Drittel der Fleischessenden, aber die Hälfte der vegan-vegetarisch lebenden Kinder hatte sehr niedrige Eisenwerte (Hämoglobin). Bei vegan-vegetarisch ernährten Kindern sollte deshalb besonders auf die Eisen- und Zinkzufuhr geachtet werden. Neben eisen- und zinkreichen Lebensmitteln kommen im Bedarfsfall auch entsprechend angereicherte Produkte wie Frühstückscerealien in Frage.

Calcium, Vitamin B2 und Vitamin B12 – wichtig für Schulkinder

Bei vegan lebenden Kindern sollte außerdem eine ausreichende Energiezufuhr sowie die Versorgung mit Calcium und Vitamin B2 sichergestellt werden. Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 ist bei veganer Ernährung nach derzeitigem Wissensstand nur über die Verwendung von mit Vitamin B12 angereicherten Lebensmitteln, Vitamin-B12-Zahncreme oder Nahrungsergänzungsmitteln möglich.

Vitamin D – wichtig für Schulkinder

Unabhängig von der Ernährungsweise sollten sich Schulkinder regelmäßig im Freien aufhalten, da Sonnenlicht die Haut zur Produktion von Vitamin D anregt. In den Wintermonaten ist die Eigenproduktion jedoch stark eingeschränkt oder kommt ganz zum Erliegen. Entsprechend kann die Vitamin-D-Versorgung durch angereicherte Lebensmittel oder Vitamin-D-Präparate verbessert werden.

Hohen Verzehr von tierischem Protein vermeiden

Untersuchungen haben gezeigt, dass ein hoher Verzehr von tierischem Protein (Eiweiß), besonders aus Milch und Milchprodukten, im Alter von 5–6 Jahren in den folgenden Lebensjahren zu einem höheren Body-Mass-Index (BMI) und Körperfettanteil führen kann.5Günther AL, Remer T, Kroke A, Buyken AE (2007): Early protein intake and later obesity risk: which protein sources at which time points throughout infancy and childhood are important for body mass index and body fat percentage at 7 y of age? Am J Clin Nutr 86 (6), 1765-72

Vegan-vegetarische Ernährung bei Jugendlichen (13–18 Jahre)

Während der Pubertät erhöht sich der Energie- und Nährstoffbedarf von Jugendlichen deutlich. Ein ausgeprägter Wachstumsschub findet bei Mädchen zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr und bei Jungen zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr statt.6Elmadfa I, Leitzmann C (2004): Ernährung des Menschen. Ulmer, Stuttgart, 4. Aufl., S. 494

Calcium – wichtig für Jugendliche

Jugendliche haben in ihrer Wachstumsphase einen erhöhten Calciumbedarf, da zusätzliche Knochensubstanz aufgebaut werden muss. Neben Milch und Milchprodukten können Hülsenfrüchte, „Sojafleisch“, grünes (Blatt-)Gemüse, Nüsse, Tofu, Mineralwasser und mit Calcium angereicherte Soja- oder Getreidemilch als gute Calciumquellen dienen.

Eisen – wichtig für Jugendliche

In der Wachstumsphase nehmen das Blutvolumen und damit der Eisenbedarf zu. Besonders bei Mädchen besteht mit Einsetzen der Menstruationsblutung das Risiko einer Unterversorgung mit Eisen. Pflanzliche Eisenlieferanten wie Vollgetreide, Hülsenfrüchte, Ölsamen, Nüsse, „Sojafleisch“ und Trockenfrüchte sollten für eine bessere Eisenaufnahme in Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse gegessen werden.

Zink – wichtig für Jugendliche

Da Zink in der körperlichen Entwicklung und der sexuellen Reifung eine Rolle spielt, steigt auch der Zinkbedarf in der Jugend. Ebenso wie bei Eisen liegt auch die Zinkversorgung bei vegan-vegetarisch lebenden Teenagern tendenziell etwas niedriger als bei jenen, die sich mischköstlich ernähren.7Donovan UM, Gibson RS (1995): Iron and zinc status of young women aged 14 to 19 years consuming vegetarian and omnivorous diets. J Am Coll Nutr 14 (5), 463-72 Dennoch gelten beide Mineralstoffe bei allen Jugendlichen als potenziell kritische Nährstoffe, die besondere Aufmerksamkeit erfordern.

Vitamin B2 und Vitamin B12 – wichtig für Jugendliche

Bei einer veganen Ernährung sollten Jugendliche außerdem auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B2 und Vitamin B12 achten.

Vegan-vegetarisch lebende Jugendliche ernähren sich meist gesünder als fleischessende Gleichaltrige

Einige Studien zeigen, dass sich vegan-vegetarisch lebende Jugendliche meist gesünder ernähren als fleischessende Gleichaltrige. In einer US-amerikanischen Studie erreichten mehr vegan und vegetarisch lebende Jugendliche die gesundheitsfördernden Ernährungsempfehlungen, beispielsweise mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse täglich zu verzehren sowie maximal 30 % der täglichen Energieaufnahme aus Fett und maximal 10 % aus gesättigten Fettsäuren zu decken.8Perry CL, McGuire MT, Neumark-Sztainer D, Story M (2002): Adolescent vegetarians: how well do their dietary patterns meet the healthy people 2010 objectives? Arch Pediatr Adolesc Med 156 (5), 431-7 Auch die Versorgung mit Ballaststoffen, Folat, Eisen und Vitamin A war besser als bei den Fleischessenden. Die vegan-vegetarisch lebenden Personen nahmen jedoch weniger Vitamin B12 zu sich. Die empfohlene Calciumzufuhr wurde von keiner Gruppe erreicht.

Die Autorinnen und Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass eine vegan-vegetarische Ernährung im Jugendalter nicht als Problemphase oder Modeerscheinung gesehen werden sollte, sondern als gesundheitsfördernde Alternative zur üblichen Durchschnittskost.

Aktion Pflanzen-Power

Die „Aktion Pflanzen-Power“ ist eine Initiative von ProVeg und der Krankenkasse BKK ProVita mit dem Ziel, das vegan-vegetarische Angebot an öffentlichen Einrichtungen – insbesondere an Schulen – zu verbessern.

Fazit

  • Eine vollwertige vegane oder vegetarische Ernährung im Kindes- und Jugendalter trägt zum Schutz vor chronischen Erkrankungen im späteren Leben bei.
  • Schulkinder (6–12 Jahre), die sich vegan oder vegetarisch ernähren, sind bei einer vielseitigen und vollwertigen Lebensmittelauswahl gut mit allen Nährstoffen versorgt.
  • Ein eingeschränkter Verzehr proteinreicher tierischer Lebensmittel im Kindesalter beugt der späteren Entstehung von Übergewicht vor.
  • Auch bei Jugendlichen (13–18 Jahre) kann eine vollwertige vegan-vegetarische Ernährung den erhöhten Nährstoffbedarf problemlos decken und gleichzeitig vor Übergewicht schützen.
  • Gerade bei Jugendlichen bieten vegan-vegetarische Ernährungsweisen eine deutlich gesündere Alternative zur üblichen Durchschnittskost.
  • Bei veganer Lebensweise sollte besonders auf die Zufuhr kritischer Nährstoffe wie Vitamin B12 (angereicherte Lebensmittel/Supplemente), Calcium, Zink und Eisen geachtet werden.

Quellen   [ + ]

1. Stary HC (2000): Lipid and macrophage accumulations in arteries of children and the development of atherosclerosis. Am J Clin Nutr 72 (5 Suppl), 1297S-1306S
2. Sabaté J, Wien M (2010): Vegetarian diets and childhood obesity prevention. Am J Clin Nutr 91 (5), 1525S-1529S
3. Amit M (2010): Vegetarian diets in children and adolescents. Paediatr Child Health 15 (5), 303-8
4. Nathan I, Hackett AF, Kirby S (1996): The dietary intake of a group of vegetarian children aged 7-11 years compared with matches omnivores. Br J Nutr 75 (4), 533-44
5. Günther AL, Remer T, Kroke A, Buyken AE (2007): Early protein intake and later obesity risk: which protein sources at which time points throughout infancy and childhood are important for body mass index and body fat percentage at 7 y of age? Am J Clin Nutr 86 (6), 1765-72
6. Elmadfa I, Leitzmann C (2004): Ernährung des Menschen. Ulmer, Stuttgart, 4. Aufl., S. 494
7. Donovan UM, Gibson RS (1995): Iron and zinc status of young women aged 14 to 19 years consuming vegetarian and omnivorous diets. J Am Coll Nutr 14 (5), 463-72
8. Perry CL, McGuire MT, Neumark-Sztainer D, Story M (2002): Adolescent vegetarians: how well do their dietary patterns meet the healthy people 2010 objectives? Arch Pediatr Adolesc Med 156 (5), 431-7
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