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Gesundheit

Ernährung bei Niereninsuffizienz

Mo 25.03.2019

Bildquelle: shutterstock.com / Stasique

Die Nieren regulieren den Wasserhaushalt des Körpers und damit langfristig auch den Blutdruck. Eine vegetarisch-vegane Ernährung wirkt sich günstig auf die Nierenfunktion aus und trägt zur Prävention von Nierenerkrankungen bei.

Aufgaben der Nieren

Die Nieren regulieren den Wasserhaushalt des Körpers und damit langfristig auch den Blutdruck. Sie steuern außerdem die Elektrolytkonzentrationen im Blut, beeinflussen das Säure-Basen-Gleichgewicht und sind an der Umwandlung von Vitamin-D-Vorstufen in aktives Vitamin D beteiligt. Eine weitere Funktion ist die Ausscheidung von Fremd- und Giftstoffen sowie von Endprodukten, die im Stoffwechsel gebildet werden, über den Harn.1Horn F, Moc I, Schneider N, Grillhösl C et al. (2005): Biochemie des Menschen. Thieme, Stuttgart, 3. Aufl., S. 562f Letztere werden daher auch harnpflichtige Substanzen genannt. Hierzu zählen beispielsweise Harnstoff (aus dem Abbau der Proteine), Harnsäure und Kreatinin.

Kennzeichen und Folgen von Nierenerkrankung

Zur Erfüllung ihrer Aufgaben ist eine geregelte Durchblutung der Nieren essenziell, ebenso die glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Dieser Wert beschreibt, wie viel Primärharn beide Nieren zusammen pro Zeiteinheit (Milliliter pro Minute bzw. Liter pro Tag) im Normalfall erzeugen können.2Löffler G, Petrides PE (2003): Biochemie und Pathobiochemie. Springer, Berlin, 7. Aufl., S. 914 Veränderungen der GFR weisen auf Erkrankungen der Niere hin. So kommt es bei chronischer Niereninsuffizienz (chronischem Nierenversagen) langfristig zu einer Verminderung der GFR und damit zu einem Anstieg harnpflichtiger Substanzen im Blut sowie aufgrund der verminderten Flüssigkeitsausscheidung zu Bluthochdruck und Ödemen (Wassereinlagerungen im Gewebe).

Auch eine erhöhte Proteinausscheidung im Urin ist Kennzeichen einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung. Weitere Folgen sind Störungen des Vitamin-D- und Knochenstoffwechsels, der Blutbildung, des Immunsystems, des Elektrolyt- sowie des Säure-Basen-Haushalts.3Sibernagl S, Lang F (2009): Taschenatlas der Pathophysiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 3. Aufl., S. 120 Im fortgeschrittenen Stadium erhöht sich das Risiko für akutes Nierenversagen. Häufigste Todesursache für Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen.4Roberts MA, Hare DL, Ratnaike S, Ierino FL (2006): Cardiovascular biomarkers in CKD: pathophysiology and implications for clinical management of cardiac disease. Am J Kidney Dis 48 (3), 341-60

Ursachen von Nierenerkrankung

Diabetes mellitus und Bluthochdruck sind die häufigsten Ursachen für chronisches Nierenversagen. Etwa ein Drittel aller Dialysepatienten sind niereninsuffiziente Diabetikerinnen und Diabetiker.5Kasper H (2009): Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer, München, 11. Aufl. S. 376 u. 379 Sowohl akute als auch chronische Nierenerkrankungen können sich vor dem Hintergrund atherosklerotischer Gefäßveränderungen entwickeln.

Hohe Proteinzufuhr vermeiden

Die Höhe der Proteinzufuhr mit der Nahrung hat einen Einfluss auf das Fortschreiten von chronischen Nierenerkrankungen. So steigert ein hoher Proteinkonsum sowohl die Durchblutung der Niere als auch die GFR – die Niere reagiert mit einer kurzfristigen Funktionssteigerung (renale Hyperfiltration). Die in den Industrieländern übliche hohe Proteinzufuhr bedingt somit eine permanente Stimulation der Niere zu Höchstleitungen und kann bereits bestehende Nierenerkrankungen negativ beeinflussen.

Wie genau es bei erhöhter Proteinzufuhr zur renalen Hyperfiltration kommt, ist noch nicht im Detail bekannt. Da jedoch das Fortschreiten der Niereninsuffizienz bei der Aufnahme von pflanzlichem im Vergleich zu tierischem Protein weniger ausgeprägt ist, wird vermutet, dass die Zusammensetzung der Aminosäuren in der Nahrung eine Rolle spielt.6Kasper H (2009): Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer, München, 11. Aufl. S. 376 u. 379

Vegetarisch-vegane Ernährung bei Niereninsuffizienz empfehlenswert

Die GFR ist bei gesunden Vegetarierinnen und Vegetariern, besonders bei Veganerinnnen und Veganern, niedriger als bei Vergleichsgruppen von gesunden mischköstlich lebenden Menschen, so das Ergebnis einer Studie. Zudem schieden die untersuchten Mischköstlerinnen und Mischköstler mehr Albumin (ein Blutprotein) mit dem Urin aus und hatten höhere Blutdruckwerte als die vegetarisch-vegan lebenden Personen. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass insbesondere eine vegane Kost sich günstig auf die Nierenfunktion auswirkt.7Wiseman MJ, Hunt R, Goodwin A, Gross JL et al. (1987): Dietary composition and renal function in healthy subjects. Nephron 46 (1), 37-42

In einer zweijährigen Studie führte eine lakto-vegetarische, proteinarme Kost (0,6 g/kg Körpergewicht) bei Patienten mit einer Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen) zu einem signifikant niedrigeren Funktionsverlust der Niere.8Schmicker R (1991): Diätprinzipien bei Dialysepatienten. Akt Ernährungsmed 16 (3), 138-40 Der Austausch von tierischem Protein gegen Sojaprotein führte bei Typ-2-Diabetikern mit Nierenerkrankungen zu einer Verringerung der Proteinausscheidung mit dem Urin.9Azadbakht L, Esmaillzadeh A (2009): Soy-protein consumption and kidney-related biomarkers among type 2 diabetics: a crossover randomized clinical trial. J Ren Nutr 19 (6), 479-86

Es ist gut belegt, dass durch eine Reduzierung der Proteinzufuhr das Fortschreiten chronischer Nierenerkrankungen verzögert wird.10De Santo NG, Perna A, Cirillo M (2011): Low protein diets are mainstay for management of chronic kidney disease. Front Biosci 3, 1432-42 Zudem beeinflussen die ernährungstherapeutischen Maßnahmen, die üblicherweise bei Patientinnen und Patienten mit chronischem Nierenversagen durchgeführt werden, auch einige Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen positiv. Besonders günstig wirkt die Kombination einer protein- und salzreduzierten vegetarisch-veganen Ernährungsweise, etwa auf den Blutdruck, den Serumcholesterinspiegel und den Fettsäurestoffwechsel – und verringert so das Risiko für Folgeerkrankungen.11Cupisti A, Aparicio M, Barsotti G (2007): Potential benefits of renal diets on cardiovascular risk factors in chronic kidney disease patients. Ren Fail 29 (5), 529-34

Fazit

  • Das Risiko für vegetarisch und vegan lebende Menschen, eine chronische Nierenerkrankung zu entwickeln, ist unter anderem dadurch verringert, dass sie im Vergleich zu mischköstlich lebenden Menschen seltener von Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen sind.
  • Auch der insgesamt niedrigere Proteinkonsum sowie die überwiegende Zufuhr von pflanzlichem Protein tragen bei einer vegetarisch-veganen Ernährung zur Prävention von Nierenerkrankungen bei.
  • Eine vegetarisch-vegan basierte Ernährungstherapie wirkt sich günstig auf bereits bestehende Nierenerkrankungen aus.

Quellen   [ + ]

1. Horn F, Moc I, Schneider N, Grillhösl C et al. (2005): Biochemie des Menschen. Thieme, Stuttgart, 3. Aufl., S. 562f
2. Löffler G, Petrides PE (2003): Biochemie und Pathobiochemie. Springer, Berlin, 7. Aufl., S. 914
3. Sibernagl S, Lang F (2009): Taschenatlas der Pathophysiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 3. Aufl., S. 120
4. Roberts MA, Hare DL, Ratnaike S, Ierino FL (2006): Cardiovascular biomarkers in CKD: pathophysiology and implications for clinical management of cardiac disease. Am J Kidney Dis 48 (3), 341-60
5, 6. Kasper H (2009): Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer, München, 11. Aufl. S. 376 u. 379
7. Wiseman MJ, Hunt R, Goodwin A, Gross JL et al. (1987): Dietary composition and renal function in healthy subjects. Nephron 46 (1), 37-42
8. Schmicker R (1991): Diätprinzipien bei Dialysepatienten. Akt Ernährungsmed 16 (3), 138-40
9. Azadbakht L, Esmaillzadeh A (2009): Soy-protein consumption and kidney-related biomarkers among type 2 diabetics: a crossover randomized clinical trial. J Ren Nutr 19 (6), 479-86
10. De Santo NG, Perna A, Cirillo M (2011): Low protein diets are mainstay for management of chronic kidney disease. Front Biosci 3, 1432-42
11. Cupisti A, Aparicio M, Barsotti G (2007): Potential benefits of renal diets on cardiovascular risk factors in chronic kidney disease patients. Ren Fail 29 (5), 529-34
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