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Hier kocht Alex: Straßenbaumeister, Vegan-Koch und Buchautor Alexander Flohr im Interview

Bildquelle: © Lars Walther

Alex ist gelernter Straßenbau- und Pflastermeister, der bis September 2019 sogar ein eigenes Unternehmen hatte. Wie er von dort zum Veganismus, zu seiner Kochleidenschaft und einem gesunden Leben fand, erklärt er im Interview.

Alex, dein Werdegang klingt erst einmal eher nach Bockwurst und Schnitzel als nach veganen Grünkernbratlingen. Wie kamst du also zum Veganismus?

Haha … da hast du natürlich vollkommen recht! Bockwurst oder Schnitzel war bis vor etwa 9 Jahren tatsächlich mein Frühstück – morgens gegen 6 Uhr beim Grillmobil des „Vertrauens“. Da habe ich dem Handwerker-Klischee voll entsprochen. Aber genau dieser Lebensstil hat mich damals zum Veganismus gebracht. Stressfaktoren wie meine Selbstständigkeit und meine Rolle als Familienvater hatten dazu geführt, dass ich meine Ernährung komplett missachtet hatte. Mein einst sportlicher und trainierter Körper hatte mit Ende 20 ein Gewicht von 135 kg mit fast allem, was an Begleitkrankheiten dazugehört. Aufgrund der massiven körperlichen Schmerzen war ich nahezu arbeitsunfähig. Da mir kein Arzt helfen konnte, recherchierte ich zum Thema Selbstheilung und kam schnell auf die pflanzliche Ernährung. In den darauffolgenden Monaten beschäftigte ich mich intensiv damit und informierte mich über die Tierhaltung. Ich probierte einiges aus in der Küche, entdeckte dabei meine Kochleidenschaft und beschloss letztlich, „Vollblutveganer“ zu werden.

Pro Gesundheit

Eine vollwertige pflanzliche Ernährung kann dabei helfen, den meisten Zivilisationskrankheiten vorzubeugen, weshalb immer mehr Ärztinnen und Ärzte sowie Gesundheitsinstitutionen pflanzliche Ernährungsweisen befürworten.

Wie hat deine Familie auf deine Ernährungsumstellung reagiert?

Meine Frau war anfangs nicht sehr begeistert. Als wir uns aber ausführlich über Tierhaltung und zugehörige Videos unterhielten, war auch sie nach ein paar Monaten mit an Bord. Unseren 3 Kindern stellten wir es frei, was sie aßen. Bei uns zu Hause gab es nur noch Veganes und außerhalb sollten sie selbst entscheiden. Das war auf jeden Fall der richtige Weg, da sie alle nach und nach selbst beschlossen haben, auf Fleisch zu verzichten. Alles in allem war es die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.

Der Schritt zum pflanzenbasierten Leben hat sich auch auf deine Arbeit ausgewirkt, oder?

Ja, absolut! Auf die Arbeit hat sich meine Ernährungsumstellung natürlich sehr positiv ausgewirkt, da ich innerhalb des ersten Jahres gut 50 kg abgenommen habe und endlich wieder Energie hatte. In den letzten 4 Jahren habe ich mir dann mein jetziges Standbein als Kochbuchautor, Showkoch und Botschafter der veganen Lebensweise aufgebaut. Dass ich damit einmal so viel Erfolg haben würde, hätte ich anfangs nicht gedacht.

Es war auch alles gar nicht so groß geplant, aber irgendwie hat sich das zum Selbstläufer entwickelt. Im Sommer 2019 habe ich mich entschieden, meine Baufirma zu verkaufen und mich nur noch meiner Passion, der veganen Lebensweise, zu widmen. Die Entscheidung, nach 18 Jahren meine Pflasterfirma zu verkaufen, fiel mir nicht leicht, aber meine Kochleidenschaft überwiegt mittlerweile. Es macht mir große Freude, Menschen zu begeistern und zum Umdenken zu bewegen. Ich bin überglücklich, diesen Schritt gegangen zu sein. Für meine Mitarbeiter habe ich neue Jobs besorgt, sie mussten sich um nichts kümmern.

Gab es auch negative Reaktionen? Falls ja, wie bist du mit kritischen beziehungsweise „eingefleischten“ Kollegen umgegangen?

Denen haue ich meine Kochbücher um die Ohren oder lade sie zum Essen ein. Wenn einer das Thema anbringt, dass vegan lebende Menschen Schwächlinge sein müssen, mache ich auch gern mal eine Runde Armdrücken mit der Person.

Konfrontationen im Alltag

Die Ernährungsfrage ist ein emotional aufgeladenes Thema. Im Alltag können sich daher zwischen vegan-vegetarisch lebenden Menschen und fleischessenden Freundinnen, Freunden, Verwandten oder Bekannten häufig Konfrontationen ergeben. Dabei ist es hilfreich, sich der psychologischen Mechanismen bewusst zu werden und das karnistische System in unserer Gesellschaft zu erkennen.

Auf YouTube gibt es seit 2016 das Format „Hier kocht Alex“, 2018 kam dann das gleichnamige Kochbuch auf den Markt. Gleichzeitig warst du Geschäftsführer, bist Familienvater und Ehemann. Wie hast du es geschafft, all das zeitlich unter einen Hut zu bekommen?

Ganz ehrlich? Das frage ich mich jetzt, nachdem ich meine Firma im September 2019 verkauft habe, auch. Tatsache ist, dass ich in den letzten 2 Jahren nur maximal 3 Stunden pro Nacht geschlafen habe und manchmal nicht wusste, wo oben und unten ist. Ohne meine Familie und meinen Hund Buddy hätte ich das nie geschafft. Sie sind es, die mich stets aufbauen, hinter allem stehen, was ich mache, und all dem einen Sinn geben. Es sind aber auch die E-Mails oder Anrufe, in denen mir Menschen mitteilen, dass sie durch mich vegan geworden sind, zum Umdenken angeregt wurden oder ihr Leben verändert haben. Das ist doch echt der Wahnsinn, so etwas zu hören! Es sind aber auch die Tiere, die mir Kraft geben, ihre Augen, die mir sagen, dass ich das Richtige tue.

Seit 2019 bist du bei ProVeg-Veranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse, der VeggieWorld und der Biofach dabei. Welche Rückmeldungen erhältst du auf solchen Events?

Ich erhalte stets positives Feedback auf solchen Veranstaltungen. Die Leute freuen sich, mich zu treffen und mit mir zu sprechen. Dass Menschen aus Salzburg, Köln oder Hannover zum Beispiel nach Berlin reisen, um mich einmal kennenzulernen, finde ich echt verrückt. Aber ich freue mich sehr darüber und bin genauso aufgeregt, meine „Fans“ kennenzulernen wie sie mich. Ein mega-tolles Gefühl.

Im Oktober 2019, passend zur Frankfurter Buchmesse, kam dein zweites Kochbuch „Oberlecker“ heraus. Wo kommen die Ideen für neue Rezepte her?

Ich habe eine Muse. Sie befindet sich unterhalb meiner Brust bis hin zur Hüfte. Ja, mein stets knurrender Magen. Ich bin ein äußerst hungriger Typ, der viel an Essen denkt. Meine Rezepte fallen mir meist im Bett ein: vor dem Einschlafen oder wenn ich nachts einmal nicht schlafen kann. Ich habe immer Bock auf neue Kreationen im „altbekannten Gewand“. Mir kommen oft bekannte Geschmäcker in den Kopf, dann schaue ich in den Kühlschrank und schon entspinnt sich etwas Neues. Ganz easy, das sprudelt zum Glück so aus mir heraus.

ProVeg-Rezeptdatenbank

Die veganen Rezepte von ProVeg zeigen, wie einfach die vegane Küche im Alltag zu integrieren ist. Sie lädt zum Experimentieren ein und bringt raffinierte und schmackhafte Ergebnisse hervor. Vegane Rezepte passen zu jedem Anlass, sind einfach und geschmacklich hervorragend – probieren Sie es aus!

Wenn du nicht gerade neue Rezepte kreierst: Was machst du in deiner Freizeit?

Meine größte Liebe gilt meiner Familie, also verbringe ich sehr gern Zeit mit ihr. Quatschen, abhängen, Tischtennis spielen und mit unserem Hund spazieren gehen. Außerdem kommen regelmäßig unsere Freundinnen und Freunde vorbei, die ich dann liebend gern kulinarisch verwöhne.

Von wem lässt du dich am liebsten bekochen? Und was ist dein absolutes Lieblingsrezept?

Total gern von meiner Mutter oder meiner Schwester. Da schmeckt mir alles! Mein Lieblingsessen bereite ich mir allerdings stets selbst zu – Bratkartoffeln mit viel Chili, frischen Tomaten und Basilikum.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Mein Ziel ist es, jetzt, wo ich mich ganz auf meine Passion konzentriere, noch mehr Menschen zu erreichen und ein positives Umdenken anzustoßen. Durch den Klimawandel wurden auch für die pflanzliche Ernährung ganz neue Weichen gestellt. Egal, aus welchen Gründen jemand seine Ernährung umstellt, für mich ist jede vegane Mahlzeit ein großer Schritt in Richtung Tierwohl.

Vielen Dank, Alex, für das Interview.

Last updated: 09.07.2020

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