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Visionär, Innovator, treibende Kraft: Interview mit ProVeg-Geschäftsführer Sebastian Joy

Sebastian Joy

Seit 10 Jahren leitet Sebastian Joy die Geschicke von ProVeg (ehemals VEBU) und gründete damit die erste international tätige Ernährungsorganisation zur Verbreitung der pflanzlichen Lebensweise.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem 10-jährigen Jubiläum als Geschäftsführer, Sebastian! Was für ein Gefühl ist das?

Vielen Dank! Es ist ein tolles Gefühl. Manchmal vergeht die Zeit wie im Flug, weil der Alltag so fordernd und spannend ist. Und dann sind es plötzlich 10 Jahre. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte: Die Welt zum Besseren verändern zu können, ist der tollste Job, den ich mir vorstellen kann. Und das dann auch noch in einer Organisation mit so fantastischen ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – das ist einfach unschlagbar. Ich schätze mich wirklich sehr glücklich.

Wie hat damals alles angefangen?

Angefangen hat es eigentlich schon vor über 12 Jahren, im Januar 2007, als ich als Student ehrenamtlich zum VEBU (so hieß die Organisation früher) gestoßen bin. Mein Engagement war wohl willkommen, denn im Sommer 2008 wurde ich auf dem Weltvegetarierkongress in Dresden zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Mein Studium im Bereich Non-Profit-Management war gerade abgeschlossen, als ich begann, weiterhin ehrenamtlich als geschäftsführender Vorstand zu arbeiten. Ab Juni 2009 hatten wir dann genug Einnahmen für eine Teilzeitstelle und Thomas Schönberger überzeugte mich, Geschäftsführer zu werden. De facto arbeitete ich Vollzeit, denn es gab unendlich viel zu tun und in der Anfangsphase gerade ein paar Teilzeit-Mitarbeiterinnen. Kati Radloff, Silke Bott und Patricia Bull sind bis heute für ProVeg aktiv. Das war eine unglaublich spannende Zeit!

Was hat dich bewegt, nach deinem Studium in der Organisation zu bleiben und nicht etwa in die Wirtschaft zu gehen?

Die Welt positiv zu verändern, war mir schon immer wichtiger als Prestige – oder viel Geld zu verdienen. Das wurde mir umso klarer, nachdem ich meine Masterarbeit bei der bekannten Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers verfasst hatte. Dort ging es vor allem um Materielles und Karriere. Aber ich wollte etwas anderes. Ich hatte mich schon früh mit den Herausforderungen unserer Zeit beschäftigt und zum Beispiel ein Trainingsprogramm bei Peta in den USA absolviert. Auch meine Studienfachwahl orientierte sich hieran, weil ich lernen wollte, wie gemeinnützige Organisationen auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse am besten und effektivsten geleitet werden können. Den VEBU fand ich damals spannend, weil sich das Essen auf unseren Tellern als genialer Multiproblemlöser erweist: Durch eine stärker pflanzliche Ernährung lassen sich gleich mehrere der drängendsten globalen Herausforderungen unserer Zeit – wie Tierleid, Klimawandel, Welthunger und Zivilisationskrankheiten – erfolgreich angehen. Die Welt zum Besseren verändern zu können, ist der tollste Job, den ich mir vorstellen kann.

Wir sind ProVeg

ProVeg ist eine international führende Ernährungsorganisation, die bereits auf 4 Kontinenten aktiv ist. Wir sind eine schnell wachsende Organisation, die Menschen auf der ganzen Welt anspricht und vernetzt.

Was war für dich die wichtigste Entwicklung in der Organisation in den letzten Jahren?

Es gab viele positive Entwicklungen und Erfolge – von der Etablierung der VegMed und VeggieWorld über zahlreiche Kampagnen bis hin zur Marktreife der ersten Vitamin-B₁₂-Zahnpasta. Wenn ich aber eine Entwicklung ganz besonders herausheben müsste, dann wäre das ganz klar der Schritt vom VEBU zu ProVeg. Von einer nationalen Interessenvertretung für vegetarisch und vegan lebende Menschen hin zu einer internationalen Ernährungsorganisation, die sich mit ihrer Mission 50by40 nichts Geringeres vorgenommen hat, als den globalen Tierkonsum bis 2040 um 50 % zu reduzieren und damit das Ernährungssystem nachhaltiger, tierfreundlicher, gesünder und gerechter zu machen. Das war ein großer, ein gewagter Schritt. Und es war eine einmalige Gelegenheit, die wir beim Schopf gepackt haben. Denn Probleme wie der Klimawandel, Zivilisationskrankheiten und Tierleid betreffen ja die ganze Welt und nicht nur Deutschland!

Was ist deine Vision für ProVeg?

Wer sich große, erfolgreiche soziale Bewegungen ansieht, stellt fest, dass es bei vielen davon eine professionelle und einflussreiche internationale Organisation gibt, die diese Bewegung in wichtigen Bereichen voranbringt. Im Bereich der Menschenrechte beispielsweise gibt es Amnesty International, die sich in weltweit über 50 Ländern für Menschenrechte einsetzt. Im Umweltschutzbereich gibt es mit Greenpeace eine internationale Organisation, die in über 50 Ländern weltweit den Umweltschutz vorantreibt. In der vegan-vegetarischen Bewegung hingegen gibt es zwar viele lokale und nationale Gruppierungen, Vereine und Gesellschaften, aber keine einheitlich agierende internationale Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich für die Verbreitung der pflanzlichen Ernährungsweise einsetzt. Unsere Vision ist also klar: Mit ProVeg wollen wir diese Lücke füllen und als professionelle, weltweit aktive Organisation unsere gemeinsame Mission zum Wohl von Mensch, Tier und Umwelt voranbringen.

Ich möchte mich in diesem Zusammenhang auch noch einmal ganz herzlich für das Vertrauen und die Unterstützung vonseiten unserer langjährigen Mitglieder bedanken. Der VEBU war ja die erste nationale Veggie-Organisation, die sich dann in ProVeg umbenannt und damit eine maßgebliche Rolle bei der Etablierung der internationalen Ernährungsorganisation gespielt hat. Ohne den Weitblick unserer Mitglieder in Deutschland wäre die Organisation bei Weitem nicht so erfolgreich, wie sie heute ist.

Was wir tun

ProVeg arbeitet erfolgreich mit Regierungen, öffentlichen Institutionen, privaten Unternehmen, medizinischen Fachleuten und der Öffentlichkeit zusammen. Wir sind bestrebt, den Übergang zu einer Gesellschaft zu ermöglichen, die stärker auf pflanzliche Lebensmittel setzt und daher nachhaltiger für Menschen, Tiere und unseren Planeten ist.

Woraus ziehst du die Energie für deine Arbeit?

Da ist zum einen unser unglaubliches Team. Jeden Tag bin ich aufs Neue beeindruckt, wie viele engagierte und hochqualifizierte Menschen sich uns angeschlossen haben, um an unserer gemeinsamen Vision einer besseren Welt für alle mitzuarbeiten. Und dann sind da natürlich auch der Zuspruch von außen und die fantastischen Erfolge, die unser Team einfährt: vom überwältigenden internationalen Presseecho auf unsere Arbeit über den Zuspruch unserer Partnerinnen und Partner aus der Wirtschaft bis hin zur höchsten politischen Ebene und Auszeichnungen durch die UN. Das alles macht mich unglaublich stolz auf unser Team und die Arbeit, die es jeden Tag leistet. Jede einzelne Person trägt ihren Teil dazu bei. Das motiviert mich ganz stark.

Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?

So viel Freizeit bleibt bei meinem Job gar nicht (lacht). Aber das macht nichts. Denn ich lebe für das, was ich tue. Zudem ist mein Arbeitsalltag äußerst vielseitig und spannend. Neben Radfahren, Fitnessstudio und regelmäßigem Meditieren verwende ich einen Teil meiner Freizeit auf das, mit dem alles angefangen hat: Ich unterrichte heute selbst das Fach, das ich studiert habe: Non-Profit-Management. So bleibe ich nicht nur selbst immer auf dem aktuellen Stand, sondern hoffe zugleich, mit meinen Erfahrungen und meinem Wissen weitere Menschen inspirieren und ermutigen zu können, den gleichen Schritt wie ich zu tun: ihre Arbeitskraft in den Dienst einer besseren Welt zu stellen. Denn das hat sie verdient – und auch dringend nötig.

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ProVeg wächst. Gemeinsam setzen wir uns für eine Welt ein, in der sich Menschen für eine gesunde, tier- und umweltfreundliche Ernährung entscheiden. Hier finden Sie unsere derzeit offenen Stellen.

Letztes Update: 21.06.2019

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