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Food Services | Interviews

Mut zu Neuem: Interview mit Christian Kuper von Vincent Vegan

Di 04.06.2019

Christian Kuper, Gründer und Geschäftsführer der Fast-Food-Kette Vincent Vegan

Burger im „rotzigen, authentischen Streetstyle“ – so lässt sich das Konzept der Foodtrucks laut dem Unternehmen Vincent Vegan beschreiben. Mittlerweile gibt es das Fast Food nicht nur mobil, sondern auch in großen Einkaufszentren wie Berlin und Hamburg. Im Interview mit ProVeg erzählt Gründer und Geschäftsführer Christian Kuper, wie Vincent Vegan nicht nur vegan lebende Menschen erreicht und was die Vorteile pflanzlicher Gastronomie sind.

Was macht das Gastronomiekonzept von Vincent Vegan aus?

Wir machen modernes, qualitativ hochwertiges und frisch zubereitetes veganes Fast Food. Auch unsere Verpackungen sind zu 100 % nachhaltig und biologisch – Fast Food 2.0 also. In der Auswahl unserer Gerichte haben wir in den ersten Jahren vor allem darauf geachtet: Geschmack und Aussehen. Jetzt, wo wir wirtschaftlich etwas stabiler sind und die ersten wilden Phasen hinter uns haben, werden wir die Auswahlkriterien etwas erweitern und uns intensiver mit Zutatenherkunft und Handhabbarkeit beschäftigen. In diesem Zuge werden wir in naher Zukunft positive Neuigkeiten verkünden.

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Welches Publikum sprecht ihr mit eurem Angebot an?

Vincent Vegan erreicht in erster Linie Menschen, die Lust auf ein authentisches Konzept mit freundlichem Service und überragend gutem Fast Food haben. Wir selbst lieben unser Essen und glauben, damit die Messlatte für jedes Konzept in der Gastronomieszene – ob vegan oder nicht – hoch anzusetzen. Über 90 % unserer Gäste leben weder vegan noch vegetarisch. Sie erfahren durch unser Angebot, dass es auch andere Wege gibt, gute Burger zu genießen. Natürlich überzeugen wir nicht alle Gäste, aber der Großteil besucht uns gern wieder. Im Schnitt zieht es zwischen 100 und 400 Gäste täglich zu uns, auf Großveranstaltungen mit dem Foodtruck teils mehr als 800 Gäste pro Tag.

Worauf legt Vincent Vegan Wert bei der Kommunikation mit den Gästen?

Es hat sich herauskristallisiert, dass folgende Werte unabdingbar sind: Authentizität, Transparenz, Freundlichkeit und Geduld. Wir verkaufen den Menschen nur Dinge, die wir selbst auch unterstützenswert finden. Außerdem bleiben wir bei der Wahrheit und reden bei unseren Gästen nichts schön. Wir hinterfragen uns immer auch selbst und sind jederzeit bereit, unsere Produkte zu erklären und die Vorteile der pflanzlichen Lebensweise aufzuzählen. Stets freundlich und mit einem Lächeln auf den Lippen ist unser Anspruch. Da der Großteil unserer Gäste nicht bei uns isst, weil wir veganes, sondern weil wir außerordentlich gutes Fast Food servieren, erwarten uns täglich vielerlei Fragen. Es ist also ein Stück weit auch Aufklärungsarbeit, die wir leisten. Der Sache und unserer ursprünglichen Mission wegen – veganes Fast Food in den Mainstream zu bringen – machen wir das sehr gern. So leistet jede und jeder „Vinci“ nicht nur im Verkauf fleißige Arbeit, sondern schlüpft auch ab und zu in Vorbildrollen als Pionierin oder Pionier.

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Was würdet ihr Gastronominnen und Gastronomen raten, die mehr auf die pflanzliche Küche setzen möchten?

Erst einmal würden wir jeder angehenden Gastronomie raten, auf die pflanzliche Küche zu setzen. So ist sie für die Zukunft gewappnet und erfährt auch beim Hygienemanagement wesentliche Erleichterungen, da eine mögliche Kontamination von Arbeitsflächen, -geräten und -werkzeugen durch Fleisch verringert wird oder komplett entfällt. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass vegan die Möglichkeiten limitiert. Das Gegenteil ist der Fall! Wenn wir uns dieser Welt öffnen, merken wir erst, mit wie vielen veganen Zutaten wir unzählige und köstliche Gerichte zaubern können. Kurzum: Es ist einfach, ein leckeres veganes Gericht zu kreieren. Für die Gastronomie generell wünsche ich mir mehr Transparenz, mehr Mut zu Neuem und zu nachhaltigeren Wegen. Zudem braucht es mehr Gastronominnen und Gastronomen, die auch einmal querdenken und Dinge anders machen.

Wie hat euch die Erfahrung mit den Vincent-Vegan-Foodtrucks für eure Restaurants geholfen?

Die Foodtrucks und unsere „Vincis“, wie wir sie liebevoll nennen, sind dafür verantwortlich, dass wir uns etablieren und eine Marke werden konnten. Unseren „rotzigen, authentischen Streetstyle“ werden wir deshalb auch in Zukunft nicht verlieren. Dadurch, dass wir das Geschäft von der Pieke auf lernen mussten – inklusive etlicher Herausforderungen – haben wir viele Learnings aus der Foodtruck-Zeit ziehen können. Vor allem in den Abläufen während der Zubereitung und auch beim Umgang mit dem Gast sind diese Erfahrungen unschätzbar wertvoll und hilfreich für uns. Wir entwickeln uns Schritt für Schritt weiter. Und die Evolution ist bekanntlich niemals abgeschlossen: machen, scheitern, lernen, verbessern. Nur so geht es vorwärts!

Warum ist das pflanzliche Angebot in der Gastronomie für euch zukunftsträchtig?

Empirisch betrachtet geht die vegane und vegetarische Strömung in eine Richtung, nämlich relativ steil nach oben. Deswegen kann schon definitionsgemäß nicht mehr von einem Trend gesprochen werden – eher von einer langfristigen Entwicklung. Das wiederum deutet daraufhin, dass wir mit fundamentalen Veränderungen in der Lebensmittelindustrie zu rechnen haben. Emotionaler betrachtet spricht vor allem aus ökologischen Gründen sehr viel für einen veganen Lebensstil. Wenn es jemals einen Moment für uns Menschen gegeben hat, in dem wir unsere Gewohnheiten hinterfragen sollten, dann ist spätestens jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Gesundheitliche Vorteile möchte ich ebenso anführen, um die vegane Ernährungsweise zu promoten – zumindest aus meiner persönlichen Erfahrung. Ein weiterer Aspekt, gegen den wir uns auflehnen, ist die Massentierhaltung. Meine Hoffnung ist, dass immer mehr Menschen ihren Lebensstil hinterfragen und verstehen, dass wir so nicht mit Lebewesen umgehen können. Das Thema ist aktueller denn je und schafft es, immer mehr Beachtung zu finden. Wir tragen unseren Teil dazu bei, den veganen Lebensstil im Mainstream zu entwickeln und zu verankern.

Vielen Dank, Christian Kuper, für das Gespräch.

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