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Gesundheit

Ernährung bei Osteoporose – pflanzliche Lebensmittel wirken vorbeugend

Do 21.02.2019

Bildquelle: shutterstock.com / wavebreakmedia

Bei Osteoporose handelt es sich um eine Erkrankung des Skeletts. Infolge einer verringerten Knochenmasse und einer Verschlechterung der Knochenstruktur wird das Risiko für Knochenbrüche verstärkt. Eine vegan-vegetarische Ernährung bei Osteoporose hat positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf.

Häufigkeit von Osteoporose

In Deutschland sind schätzungsweise vier bis sechs Millionen Menschen von Osteoporose betroffen.1RKI (Robert Koch-Institut) (Hrsg) (2006): Gesundheit in Deutschland, S. 35 Etwa 80 % der Betroffenen sind Frauen, wobei die Erkrankungshäufigkeit mit Beginn der Wechseljahre beziehungsweise nach der Menopause zunimmt. In Europa treten Knochenbrüche infolge der Osteoporose häufiger in nordeuropäischen Ländern als im Süden auf.

Knochenaufbau und -abbau abhängig von Alter und Geschlecht

Das menschliche Skelett befindet sich in ständigem Auf- und Abbau. Zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr wird die maximale Knochenmineraldichte erreicht, bis zu diesem Alter erfolgt überwiegend Knochenaufbau. Danach werden jährlich etwa 0,5–1,5 % der Ausgangsmasse abgebaut; bei Frauen nach der Menopause sind die Abbauraten aufgrund erniedrigter Östrogenspiegel im Blut erheblich höher.

Ursachen von Osteoporose

Das Osteoporoserisiko erhöht sich durch zahlreiche Risikofaktoren. Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen genetische Faktoren, Alter, weibliches Geschlecht und ein schlanker Körperbau.

Beeinflussbare Risikofaktoren sind hingegen:

  • Bewegungsmangel
  • Östrogenmangel
  • Konsum von Alkohol, Nikotin und Koffein
  • mangelhafte Versorgung mit Calcium und Vitamin D
  • zu geringe oder überhöhte Proteinzufuhr
  • zu hohe Aufnahme von Natrium (Kochsalz) und Phosphat
  • geringer Obst- und Gemüseverzehr

Osteoporose bei vegetarisch-vegan lebenden Menschen

(Ovo-)Lakto-Vegetarierinnen und -Vegetarier haben im Vergleich zu mischköstlich lebenden Personen keine veränderte Knochengesundheit und unterscheiden sich nicht in ihrem Frakturrisiko. Studien über das Osteoporoserisiko vegan lebender Menschen lassen keine eindeutigen Schlussfolgerungen zu. Während in manchen Untersuchungen eine niedrigere Knochendichte und ein erhöhtes Frakturrisiko bei Veganerinnen und Veganern beobachtet wurden, gab es in anderen Studien keine diesbezüglichen Unterschiede zu Mischköstlerinnen und Mischköstlern.2Appleby P, Roddam A, Allen N, Key T (2007): Comparative fracture risk in vegetarians and nonvegetarians in EPIC-Oxford. Eur J Clin Nutr 61 (12), 1400-6 3Ho-Pham LT, Nguyen PL, Le TT, Doan TA et al. (2009): Veganism, bone mineral density, and body composition: a study in Buddhist nuns. Osteoporos Int 20 (12), 2087-93

Ernährungsfaktoren und Osteoporose

Eine ausgeglichene Calciumbilanz, also ein Gleichgewicht von Calciumaufnahme und Calciumverlust, ist entscheidend für den Erhalt von Knochenmasse. Dabei werden Calcium- und Knochenstoffwechsel durch viele Faktoren beeinflusst (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Ausgewählte Einflussfaktoren auf den Calcium- und Knochenstoffwechsel4Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U et al. (2009): Ernährung in Prävention und Therapie. Hippokrates, Stuttgart, 3. Aufl., S. 428

Calcium- und Knochenstoffwechsel
Bildquelle: ProVeg Deutschland

Calcium – wichtig für den Erhalt von Knochenmasse

Das Osteoporoserisiko hängt jedoch nicht allein von der Calciumaufnahme ab. So wird das Frakturrisiko durch die Aufnahme von Calcium über Nahrungsergänzungsmittel nicht gesenkt.5Bischoff-Ferrari HA, Dawson-Hughes B, Baron JA, Burckhardt P et al. (2007): Calcium intake and hip fracture risk in men and women: a meta-analysis of prospective cohort studies and randomized controlled trials. Am J Clin Nutr 86 (6), 1780-90 In den so genannten Entwicklungsländern, wo deutlich weniger calciumreiche Lebensmittel verzehrt werden als in Industrienationen, tritt Osteoporose wesentlich seltener auf.6WHO (World Health Organization) (2003): Prevention and management of osteoporosis: report of a WHO scientific group. Geneva, p. 131

Vitamin D – wichtig für den Erhalt von Knochenmasse

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist unerlässlich für die Calciumaufnahme im Darm sowie die Förderung der Knochenmineralisation und kann somit das Osteoporoserisiko verringern. Die Versorgung mit Vitamin D kann sowohl bei vegetarisch lebenden Menschen als auch bei Personen, die Fleisch essen, optimiert werden. Vor allem Veganerinnen und Veganer sollten auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung achten, da bei ihnen teilweise deutlich erniedrigte Vitamin-D-Spiegel im Blut beobachtet wurden.7Outila TA, Kärkkainen MU, Seppänen RH, Lamberg-Allardt CJ (2000): Dietary intake of vitamin D in premenopausal, healthy vegans was insufficient to maintain concen-trations of serum 25-hydroxyvitamin D and intact parathyroid hormone within normal ranges during the winter in Finland. J Am Diet Assoc 100 (4), 434-41

In den sonnenreichen Monaten genügen hierzulande täglich etwa 15 bis 30 Minuten Aufenthalt im Freien, um ausreichend Vitamin D in der Haut zu bilden. Zwischen Oktober und März kommt diese Eigenproduktion jedoch weitgehend zum Stillstand, sodass die Versorgung über angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verbessert werden sollte.

Obst und Gemüse – wichtig für den Erhalt von Knochenmasse

Eine Kost, die reich an Obst und Gemüse ist, verbessert die Knochenmineraldichte und senkt das Frakturrisiko.8New SA (2003): Intake of fruit and vegetables: implications for bone health. Proc Nutr Soc 62 (4), 889-99 Besonders wer vegetarisch oder vegan lebt, profitiert durch den höheren Verzehr von Obst und Gemüse von der damit verbundenen reichlichen Aufnahme von Kalium, Magnesium sowie Vitamin C und K. Diese Nährstoffe reduzieren die Calciumausscheidung und tragen so zum Erhalt der Knochenmasse bei.

Protein – auf eine ausreichende Zufuhr achten

Eine ausreichende Zufuhr von Protein sorgt für Skelettwachstum und -regeneration. Für eine optimale Knochengesundheit sollte die Proteinzufuhr dabei weder sehr niedrig noch sehr hoch sein. Vegan lebende Menschen nehmen häufig Proteinmengen unterhalb der Zufuhrempfehlungen auf.

Inwiefern die unterschiedliche Zufuhr von tierischem und pflanzlichem Protein Auswirkungen auf das Osteoporose- und Frakturrisiko hat, wird kontrovers diskutiert. Einerseits belegen Studien einen negativen Einfluss von Fleischverzehr auf die Knochendichte.9Weikert C, Walter D, Hoffmann K, Kroke A et al. (2005): The relation between dietary protein, calcium and bone health in women: results from the EPIC-Potsdam cohort. Ann Nutr Metab 49 (5), 312-8 In anderen Studien werden diesbezüglich keine Unterschiede zwischen vegetarisch und mischköstlich lebenden Menschen festgestellt.10Thorpe DL, Knutsen SF, Beeson WL, Rajaram S, Fraser GE (2008): Effects of meat consumption and vegetarian diet on risk of wrist fracture over 25 years in a cohort of peri- and postmenopausal women. Public Health Nutr 11 (6), 564-72

Milch und Milchprodukte – widersprüchliche Studienergebnisse

Die Studienergebnisse über die schützende Wirkung von Milch und Milchprodukten zur Minderung des Osteoporoserisikos sind ebenfalls widersprüchlich. So ergab die Analyse einer Reihe von Studien mit mehr als 40.000 Teilnehmenden keinen Zusammenhang zwischen dem Milchverzehr und dem Risiko für osteoporosebedingte Knochenbrüche.11Kanis JA, Johansson H, Oden A, De Laet C et al. (2005): A meta-analysis of milk intake and fracture risk: low utility for case finding. Osteoporos Int 16 (7), 799-804 Andere Studien zeigen hingegen einen positiven Zusammenhang zwischen Milchverzehr und Knochengesundheit.12Weaver CM (2009): Should dairy be recommended as part of a healthy vegetarian diet? Point. Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1634S-1637S, 2009 13Lanou AJ (2009): Should dairy be recommended as part of a healthy vegetarian diet? Counterpoint. Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1638S-1642S

Zur Verbesserung der Calciumversorgung eignen sich Milchalternativen wie Hafer- oder Sojamilch, die mit Calcium angereichert wurden.

Kochsalz und Koffein – weniger ist mehr

Die Ausscheidung von Calcium wird durch einen hohen Verzehr von Kochsalz (Natrium) verstärkt, während Koffein die Calciumaufnahme im Darm hemmt. Gleichzeitig erhöhen Bewegungsmangel, phosphatreiche Nahrungsmittel, Alkohol und Nikotin das Osteoporoserisiko.

Pflanzliche Ernährung bei Osteoporose wirkt vorbeugend

Die Knochengesundheit ergibt sich aus dem komplexen Zusammenspiel verschiedener Nährstoffe und vieler weiterer Faktoren, weshalb die Ableitung eindeutiger Aussagen schwierig ist. Sicher ist jedoch, dass ein reichlicher Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln dem Knochenabbau und der Calciumausscheidung vorbeugt. Dies schützt vor dem Entstehen einer Osteoporose und ist wichtiger Bestandteil der Therapie bei bereits bestehender Osteoporose.

Die Empfehlung, mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel zu verzehren, lässt sich durch eine vegan-vegetarische Kost leicht umsetzen und trägt außerdem zur Prävention weiterer chronischer Erkrankungen bei.

Fazit

Zur Förderung der Knochengesundheit und damit zur Prävention und Therapie der Osteoporose sollten folgende Empfehlungen berücksichtigt werden:

  • ausreichende körperliche Aktivität
  • ausreichende Versorgung mit Vitamin D, Calcium und Protein
  • reichlicher Obst- und Gemüseverzehr
  • weniger Kochsalz, phosphatreiche Nahrungsmittel und Koffein verzehren
  • einen hohen Alkoholkonsum und Nikotin vermeiden

Diese Empfehlungen gelten für alle Menschen unabhängig von ihrer Ernährungsweise.

Quellen   [ + ]

1. RKI (Robert Koch-Institut) (Hrsg) (2006): Gesundheit in Deutschland, S. 35
2. Appleby P, Roddam A, Allen N, Key T (2007): Comparative fracture risk in vegetarians and nonvegetarians in EPIC-Oxford. Eur J Clin Nutr 61 (12), 1400-6
3. Ho-Pham LT, Nguyen PL, Le TT, Doan TA et al. (2009): Veganism, bone mineral density, and body composition: a study in Buddhist nuns. Osteoporos Int 20 (12), 2087-93
4. Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U et al. (2009): Ernährung in Prävention und Therapie. Hippokrates, Stuttgart, 3. Aufl., S. 428
5. Bischoff-Ferrari HA, Dawson-Hughes B, Baron JA, Burckhardt P et al. (2007): Calcium intake and hip fracture risk in men and women: a meta-analysis of prospective cohort studies and randomized controlled trials. Am J Clin Nutr 86 (6), 1780-90
6. WHO (World Health Organization) (2003): Prevention and management of osteoporosis: report of a WHO scientific group. Geneva, p. 131
7. Outila TA, Kärkkainen MU, Seppänen RH, Lamberg-Allardt CJ (2000): Dietary intake of vitamin D in premenopausal, healthy vegans was insufficient to maintain concen-trations of serum 25-hydroxyvitamin D and intact parathyroid hormone within normal ranges during the winter in Finland. J Am Diet Assoc 100 (4), 434-41
8. New SA (2003): Intake of fruit and vegetables: implications for bone health. Proc Nutr Soc 62 (4), 889-99
9. Weikert C, Walter D, Hoffmann K, Kroke A et al. (2005): The relation between dietary protein, calcium and bone health in women: results from the EPIC-Potsdam cohort. Ann Nutr Metab 49 (5), 312-8
10. Thorpe DL, Knutsen SF, Beeson WL, Rajaram S, Fraser GE (2008): Effects of meat consumption and vegetarian diet on risk of wrist fracture over 25 years in a cohort of peri- and postmenopausal women. Public Health Nutr 11 (6), 564-72
11. Kanis JA, Johansson H, Oden A, De Laet C et al. (2005): A meta-analysis of milk intake and fracture risk: low utility for case finding. Osteoporos Int 16 (7), 799-804
12. Weaver CM (2009): Should dairy be recommended as part of a healthy vegetarian diet? Point. Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1634S-1637S, 2009
13. Lanou AJ (2009): Should dairy be recommended as part of a healthy vegetarian diet? Counterpoint. Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1638S-1642S
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