Mit wachsender Weltbevölkerung nehmen auch Ressourcenknappheit, Umweltkatastrophen und Hunger in der Welt zu. Die Produktion tierischer Produkte trägt zur ungerechten Verteilung von Nahrungsmitteln bei. Eine pflanzliche Ernährung hingegen verbraucht weniger Ressourcen und kann den Welthunger reduzieren.

Ungleiche Verteilung von Lebensmitteln verschärft den Welthunger

Weltweit sind über 800 Millionen Menschen unterernährt.1Food and Agriculture Organization of the United Nations, International Fund for Agricultural Development, UNICEF, et al. (2017): The state of food security and nutrition in the world 2017: building resilience for peace and food security. p. 2 Gleichzeitig sind fast 2 Milliarden Menschen übergewichtig, 650 Millionen leiden an Adipositas.2WHO (2018): Obesity and overweight. Verfügbar unter: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs311/en/ [12.02.2018] Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung voraussichtlich um mehr als 30 % auf knapp 10 Milliarden Menschen wachsen.3UN (2017): World population projected to reach 9.8 billion in 2050, and 11.2 billion in 2100. Verfügbar unter: https://www.un.org/development/desa/en/news/population/world-population-prospects-2017.html [08.03.2018] 4Gerland, P., A. E. Raftery, H. Sevčíková, et al. (2014): World population stabilization unlikely this century. Science. 346, p.234–237 Die Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern sind unverhältnismäßig stark von der ungerechten globalen Nahrungsmittelverteilung betroffen. Die Frage, wie wir unsere Ressourcen verteilen können, um eine gerechtere Welt mit weniger Hunger, Tierleid und Umweltproblemen zu schaffen, war noch nie so wichtig wie heute. Ernährungssicherheit für alle zu erreichen, bedeutet, sich stärker dafür einzusetzen, dass alle Menschen Zugang zu ausreichenden und nahrhaften Lebensmitteln haben, um ein gesundes Leben zu führen.5Food and Agricultural Organisation of the United Nations (FAO) (1996): Rome Declaration on World Food Security and World Food Summit Plan of Action. World Food Summit 13-17 November 1996. Rome. Verfügbar unter: http://www.fao.org/docrep/005/y4671e/y4671e06.htm#fn30 [07.03.2018]

Die sogenannte Nutztierhaltung verschwendet gewaltige Mengen an Nahrungsmitteln

In der industriellen Massentierhaltung findet eine Lebensmittelverschwendung ohnegleichen statt: Mehr als 50 % der weltweiten Ernte werden zur Fütterung von sogenannten Nutztieren eingesetzt und nicht für die unmittelbare Ernährung von Menschen.6Hertwich, E. (2010): Assessing the Environmental Impacts of Consumption and Production: Priority Product and Materials. Programa de la Naciones Unidas para el Medio Ambiente. p. 80 Würden alle pflanzlichen Lebensmittel ausschließlich für den direkten menschlichen Verzehr verwendet, würde dies zu einer Erhöhung der verfügbaren Nahrungskalorien um 70 % führen. Dadurch könnten zusätzlich 4 Milliarden Menschen ernährt und der Welthunger verringert werden.7Cassidy, E. S., P. C. West, J. S. Gerber, et al. (2013): Redefining agricultural yields: from tonnes to people nourished per hectare. Environ. Res. Lett. 8, p.034015 Mit einer rein pflanzlichen Ernährung wäre es also möglich, mehr als 10 Milliarden Menschen mit den vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen zu ernähren.8Cassidy, E. S., P. C. West, J. S. Gerber, et al. (2013): Redefining agricultural yields: from tonnes to people nourished per hectare. Environ. Res. Lett. 8, p.034015 9Erb, K.-H., C. Lauk, T. Kastner, et al. (2016): Exploring the biophysical option space for feeding the world without deforestation. Nature Communications. 7, p.11382 10The Guardian (2016): Can we feed 10 billion people on organic farming alone? Available at: https://www.theguardian.com/sustainable-business/2016/aug/14/organic-farming-agriculture-world-hunger [20.03.2018]

Die Intensivtierhaltung verbraucht etwa ein Drittel des weltweiten Getreides und rund 75 % des Sojas als Futtermittel, was die globale Ernährungssicherheit untergräbt.11Food and Agriculture Organization of the United Nations (2017): Crop Prospects and Food Situation. March 2017. p.7 .FAO, Rome 12Brack, D., A. Glover & L. Wellesley (2016): Agricultural Commodity Supply Chains Trade, Consumption and Deforestation. Chatham House, London. p. 24 Die Verfütterung dieser Pflanzen an Tiere und der anschließende Verzehr von Fleisch und Milch ist in Bezug auf Landnutzung, Kalorien- und Proteinzufuhr weniger effizient als diese direkt zu essen.13Garnett T. (2010). Livestock, feed and food security. FCRN Briefing paper. Soja kann bis zu 15-mal mehr Protein pro Hektar liefern als Lebensmittel tierischen Ursprungs. Viele andere pflanzliche Lebensmittel haben ebenfalls einen höheren Anteil an Eiweiß pro Hektar als Fleisch und Co.14Giovannucci, D., S. Scherr, D. Nierenberg, et al. (2012): Food and Agriculture: the future of sustainability. A strategic input to the Sustainable Development in the 21st Century (SD21) project. New York: United Nations Department of Economic and Social Affairs, Division for Sustainable Development. p. 10

Fleischproduktion verursacht Landraub und fördert den Welthunger

Die wachsende Nachfrage nach tierischen Produkten erfordert, dass die Industrieländer Hunderttausende Tonnen Tierfutter, insbesondere Soja, Mais und Getreide, aus sogenannten Entwicklungsländern in Südamerika und Afrika importieren. Der durchschnittliche Flächenverbrauch pro Kopf in der EU beträgt 1,3 Hektar, während Menschen in China und Indien weniger als 0,4 Hektar pro Kopf benötigen.15B. Lugschitz, M. Bruckner und S. Giljum (2011): Europe‘s global land demand: a study on the actual land embodied in European imports and exports of agricultural and forestry products. Wien: Sustainable Europe Research Institute, 2011. p. 14 Fast 60 % der Flächen, die zur Deckung des Bedarfs der EU an land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen nötig sind, liegen außerhalb Europas. Gerade Deutschland importiert Produkte, deren Herstellung jährlich mehr als 80 Millionen Hektar Land im Ausland beanspruchen.16B. Lugschitz, M. Bruckner und S. Giljum (2011): Europe‘s global land demand: a study on the actual land embodied in European imports and exports of agricultural and forestry products. Wien: Sustainable Europe Research Institute, 2011. p. 22 Das ist weder fair noch nachhaltig und vergrößert den Hunger auf der Welt.

Tierische Produkte verursachen weltweite Wasserknappheit

Neben dem Welthunger ist die sogenannte Nutztierhaltung für fast ein Drittel des gesamten landwirtschaftlichen Wasserverbrauchs der Welt verantwortlich.17Mekonnen M.M. and Hoekstra A. (2012). A Global Assessment of the Water Footprint of Farm Animal Products. Ecosystems, DOI: 10.1007/s10021-011-9517-8 [07.03.2018] Gegenwärtig haben mehr als 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.18WHO (2017): 2.1 billion people lack safe drinking water at home, more than twice as many lack safe sanitation. Verfügbar unter: http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2017/water-sanitation-hygiene/en/ [12.03.2018] Der Wasser-Fußabdruck (Water Footprint) tierischer Produkte ist größer als der von pflanzlichen Produkten mit gleichwertigem Nährwert, wodurch die Erzeugung von Kalorien, Proteinen und Nährstoffen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln wassersparender ist als aus tierischen Produkten.

Eine pflanzliche Ernährung ist ressourcenschonender als eine Ernährung mit Tierprodukten

Die sogenannte Nutztierhaltung trägt zu Waldrodungen und Landnutzungsänderungen bei, unter anderem zur Umwandlung von unberührter Natur in Ackerland. Die Viehzucht ist mitverantwortlich für den Verlust der biologischen Vielfalt, zerstörte Ökosysteme, Klimawandel, Wasserknappheit, Umweltverschmutzung und den Welthunger. Der massive Verzehr von tierischen Produkten verringert die Ernährungssicherheit für Hunderte Millionen Menschen im globalen Süden, die von den Landnutzungsänderungen zur Herstellung tierischer Produkte negativ betroffen sind. Ihr Land wird für die Viehzucht in reichen Ländern genutzt, um die Nachfrage im Ausland zu befriedigen, während sie selbst häufig von Hunger betroffen sind und ums einfache Überleben kämpfen.

Während die Nachfrage nach Fleisch, Milch und anderen tierischen Produkten den Welthunger verstärkt, kann eine pflanzliche Ernährung dazu beitragen, dass ausreichend Nahrungsmittel für alle Menschen zur Verfügung stehen.

ProVeg fördert die Verfügbarkeit von pflanzlichen Alternativen

ProVeg engagiert sich für ein gerechteres Ernährungssystem ohne Ausbeutung und Förderung des Welthungers und fordert, dass sich die Agrar- und Lebensmittelpolitik zugunsten von Menschen, Tieren und der Umwelt ändern. Darüber hinaus zeigt die Organisation gesunde tierleidfreie Alternativen auf und macht sie leichter zugänglich – durch Beratung und Unterstützung innovativer Unternehmen, die den Veggie-Markt mit ihren Produkten bereichern möchten. Auf politischer Ebene kommuniziert ProVeg das Potenzial einer pflanzlichen Lebensweise zur Bewältigung verschiedener Problemfelder wie Ressourcenverschwendung, Umwelt- und Tierschutz.

References   [ + ]

1. Food and Agriculture Organization of the United Nations, International Fund for Agricultural Development, UNICEF, et al. (2017): The state of food security and nutrition in the world 2017: building resilience for peace and food security. p. 2
2. WHO (2018): Obesity and overweight. Verfügbar unter: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs311/en/ [12.02.2018]
3. UN (2017): World population projected to reach 9.8 billion in 2050, and 11.2 billion in 2100. Verfügbar unter: https://www.un.org/development/desa/en/news/population/world-population-prospects-2017.html [08.03.2018]
4. Gerland, P., A. E. Raftery, H. Sevčíková, et al. (2014): World population stabilization unlikely this century. Science. 346, p.234–237
5. Food and Agricultural Organisation of the United Nations (FAO) (1996): Rome Declaration on World Food Security and World Food Summit Plan of Action. World Food Summit 13-17 November 1996. Rome. Verfügbar unter: http://www.fao.org/docrep/005/y4671e/y4671e06.htm#fn30 [07.03.2018]
6. Hertwich, E. (2010): Assessing the Environmental Impacts of Consumption and Production: Priority Product and Materials. Programa de la Naciones Unidas para el Medio Ambiente. p. 80
7, 8. Cassidy, E. S., P. C. West, J. S. Gerber, et al. (2013): Redefining agricultural yields: from tonnes to people nourished per hectare. Environ. Res. Lett. 8, p.034015
9. Erb, K.-H., C. Lauk, T. Kastner, et al. (2016): Exploring the biophysical option space for feeding the world without deforestation. Nature Communications. 7, p.11382
10. The Guardian (2016): Can we feed 10 billion people on organic farming alone? Available at: https://www.theguardian.com/sustainable-business/2016/aug/14/organic-farming-agriculture-world-hunger [20.03.2018]
11. Food and Agriculture Organization of the United Nations (2017): Crop Prospects and Food Situation. March 2017. p.7 .FAO, Rome
12. Brack, D., A. Glover & L. Wellesley (2016): Agricultural Commodity Supply Chains Trade, Consumption and Deforestation. Chatham House, London. p. 24
13. Garnett T. (2010). Livestock, feed and food security. FCRN Briefing paper.
14. Giovannucci, D., S. Scherr, D. Nierenberg, et al. (2012): Food and Agriculture: the future of sustainability. A strategic input to the Sustainable Development in the 21st Century (SD21) project. New York: United Nations Department of Economic and Social Affairs, Division for Sustainable Development. p. 10
15. B. Lugschitz, M. Bruckner und S. Giljum (2011): Europe‘s global land demand: a study on the actual land embodied in European imports and exports of agricultural and forestry products. Wien: Sustainable Europe Research Institute, 2011. p. 14
16. B. Lugschitz, M. Bruckner und S. Giljum (2011): Europe‘s global land demand: a study on the actual land embodied in European imports and exports of agricultural and forestry products. Wien: Sustainable Europe Research Institute, 2011. p. 22
17. Mekonnen M.M. and Hoekstra A. (2012). A Global Assessment of the Water Footprint of Farm Animal Products. Ecosystems, DOI: 10.1007/s10021-011-9517-8 [07.03.2018]
18. WHO (2017): 2.1 billion people lack safe drinking water at home, more than twice as many lack safe sanitation. Verfügbar unter: http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2017/water-sanitation-hygiene/en/ [12.03.2018]